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Amazon nimmt den Kampf gegen Produktfälscher auf

Produktfälscher: Amazon startet Projekt Zero

Der Handelsriese Amazon kämpft in Zukunft verstärkt gegen Produktfälscher auf der eigenen Plattform. Damit reagiert der Konzern auf ein Problem, welches schon seit Jahren Händlern zu schaffen macht. Zuletzt musste selbst Amazon gegenüber der amerikanischen Börsenaufsicht eingestehen, dass nachgemachte Produkte nicht nur den Händlern, sondern auch Amazon selbst massiv schade. Gleichzeitig sei es aber extrem schwer, Fälschungen wirklich zu erkenen. Nun möchte der Marktführer mit Projekt Zero eine Plattform schaffen, bei der vor allem Hersteller und Markeninhaber selbst besser als bisher gegen Betrüger vorgehen können sollen.

Bisher mussten Markeninhaber Fälscher direkt an Amazon melden. Das Unternehmen übernahm anschließend die Überprüfung dieser Verdachtsfälle und nahm diese nach einer Bearbeitungszeit von der Seite. Vergleichbar ist dieser Prozess mit Meldungen bei Facebook. Nicht nur dauern diese Prozesse meist sehr lange, auch ihr Ausgang ist alles andere als klar. Deswegen entwickelte sich auch unter Amazon-Händlern eine negative Grundstimmung gegenüber dem US-Konzern. Nun soll mit dem sogenanten Projekt Zero - eine Kombination aus einer selbstlernenden KI und dem Input der Händler - eine neue Front gegen die Fälscher eröffnet werden. Zum Startschuss wird das Tool jedoch nicht allen Händlern zur Verfügung stehen, sondern nur ausgesuchten Marken und Herstellern. Diese Auswahl nimmt Amazon selbst. Diese Partner müssen zudem nach Angaben des Fachmagazins The Verge zuvor eine Schulung durchlaufen und sich einem strikten Regelwerk von Amazon unterwerfen. So möchte der Konzern neuen Missbrauch vermeiden.

Denn, Projekt Zero kann eine starke Waffe gegen Produktfälscher sein. Gelangt das Tool jedoch in die falschen Hände, könnte es mehr Schaden als Nutzen bringen. Projekt Zero wird immerhin trotz aller Kontrollen durch Amazon vor allem auf den Input seiner Nutzer angewiesen sein. Die Gefahr besteht, dass zwielichtige Händler diese Chance nutzen, um die Konkurrenz nicht nur anzugreifen, sondern deren Präsenz auf dem gewaltigen Marktplatz sogar zu zerstören. Für kleinere Händler, die auf Umsätzen von Amazon angewiesen sind, könnte so schnell eine existenzgefähredende Situation entstehen. Zwar hat Amazon bereits angekündigt mit eigenen Seriencodes, ähnlich wie digitalen Wasserzeichen arbeiten zu wollen, aber ob diese wirklich Fälschungssicher sind, muss sich erst herausstellen.

Bekannt ist jedoch schon heute, dass Amazon den Service von Projekt Zero nicht kostenfrei anbieten wird. Nach ersten Informationen wird der Konzern jeden Seriencode zwischen einem und fünf Dollarcent einpreisen. Wie genau das Preismodell in Zukunft aussehen soll, ist noch nicht bekannt.

Veröffentlicht am: 01.03.2019
Von Wolfgang Holzhauser