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Die EU und der Kampf gegen gefälschte Bewertungen

Falsche Bewertungen im Netz schädigen Onlinehändler wie Verbraucher. Nicht nur lassen sich durch sie Kunden täuschen, auch Händler untereinander können sich mit ihnen einen gewaltigen Schaden zufügen. Einer Studie des Marktforschungsunternehmens Capterra nach, vertrauen die deutschen Konsumenten keinem Wert mehr, als den Bewertungen im Netz. So gaben 36 Prozent der Befragten an, vor allem auf die Kundenbewertungen zu schauen. Nur 23 Prozent ziehen lieber Expertenmeinungen zurate und nur 20 Prozent verlassen sich auf die Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Online-Bewertungen sind also ein wertvolles Gut, welches Händler kultivieren und nutzen müssen. Damit das in Zukunft leichter geht, springt ihnen nur die EU zur Seite.

Mit einer neuen Verordnung möchte die Europäische Union noch in diesem Herbst Plattformbetreiber und Marktplätze dazu zwingen, aktiv gegen Fake-Bewertungen vorzugehen. Ein Kernaspekt dabei ist eine transparente Authentifizierung von Menschen, die Artikel, Produkte oder Dienstleistungen bewerten. Zeitgleich wird Unternehmen untersagt, die eigenen Angebote zigfach positiv zu bewerten oder Bewertungen einfach einzukaufen. Ihnen drohen in Zukunft empfindliche Strafen bis hin zum Ausschluss aus den jeweiligen Marktplätzen. Das wiederum kann für Händler schnell existenzgefährdend sein, wie der Marktplatz von Amazon zeigt.

Über 13 Millionen gefälschte Bewertungen allein auf Amazon

So identifizierte der amerikanische Konzern allein im Jahr 2018 über 13 Millionen gefälschte Bewertungen auf der eigenen Plattform. Mehr als fünf Millionen Accounts wurden „sanktioniert“, wie es von Amazon heißt. Gemeint sind damit Sperren und sogar juristische Konsequenzen für einzelne Täter oder ganze Unternehmen. Ein Sprecher von Amazon gab gegenüber der Wirtschaftswoche an, dass der Konzern mehr als 400 Millionen Euro allein in die Prävention von Fake-Bewertungen gesteckt habe.

Die neue EU-Richtlinie mit dem Namen „New Deal for Consumers“ könnte nach dem Beschluss in den zuständigen Gremien schon bald auch in Deutschland umgesetzt werden. Schon im Mai hatte das Bundeskartellamt eine Untersuchung von manipulierten Bewertungen gestartet. Dabei werden nach eigenen Angaben mehr als 50 Portale befragt, für die Nutzerbewertungen eine große Rolle spielen.