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Ab wann ist alt zu alt? Lebenszyklen bei Software

Wenn Software in Rente geht

Als Gordon Moore am 19. April 1965 einen kleinen Artikel in einer Fachzeitschrift in den USA veröffentlichte, wusste er wohl nicht welche Auswirkungen seine Worte auf die Welt haben werden. In diesem Artikel definierte er das mooresche Gesetz. Dieses Gesetz definiert wie lange es dauert bis Technik sich weiterentwickelt. Was Moore vor allem für Prozessoren definierte, lässt sich auch auf nahezu jede andere Technologie auf unserer Welt übertragen. So sind zum Beispiel Fernseher oder Walkmans, die vor gut 20 Jahren noch Spitzentechnologie darstellten, heute Museumsstücke. Und das Gleiche gilt auch für Software. So gibt es klar definierte Lebenszyklen, die sicherstellen sollen, dass Nutzer immer die aktuellsten und leistungsfähigsten Angebote nutzen können. Doch wie funktioniert eigentlich ein Produktlebenszyklus bei Software? Und wie lange kann ich eigentlich Software benutzen, bis sie veraltet ist?

Generell folgt auch Software, wie alle Produkte, einem Produktionslebenszyklus. Dieser beginnt bei der Konzeption und endet mit der Einstellung der Wartung durch den Hersteller. Dabei stellt vor allem der Entwurf und die Entwicklung der Technik bereits einen beachtlichen Teil der Lebenszeit von Programmen und Technologien dar. Zeitgleich ist diese Phase auch die teuerste für die Hersteller. Einfach, da vor allem an komplexen Programmen teilweise Hunderte Entwickler und Experten arbeiten – und das unter Umständen über Jahre hinweg. Dennoch dreht sich die Welt weiter und neue Technologien und Methoden strömen unablässig auf den Markt. Damit Software also zu ihrem Release nicht sofort obsolet ist, muss schon während der Erstellung von Programmen immer wieder gegengesteuert werden. Und sobald Software schlussendlich das Licht der Welt erblickt, beginnt meist sofort die Entwicklung der nächsten Technologiestufe.

Das bedeutet, dass Software ab dem Release-Tag altert, bis zu einem Punkt, an dem sie ausgetauscht werden muss. Entweder, weil sie aktuelle Schnittstellen und Drittprogramme nicht mehr unterstützt oder die zugrundeliegende Hardware nicht mehr die gleiche Sprache spricht. Das lässt sich einfach erklären: Mit einem Heimcomputer von 2008 mit dem damals topaktuellen Windows Vista lässt sich heute im Jahr 2020 nur noch wenig anfangen. Der Einsatz von aktueller Software wäre unmöglich oder eine Qual für System und Anwender.

Wie lang am Ende Software wirklich eingesetzt werden kann, hängt damit zusammen, wie gut und wie regelmäßig sie gepflegt und gewartet wird. Updates sorgen so dafür, dass auch ältere Programme noch heute eingesetzt werden können. Mit der Zeit altert aber auch gut gewartete Software und wird irgendwann unbrauchbar. Einfach, da Software nicht ein allein für sich existiert, sondern in einem großen Software-Kosmos mit vielen Abhängigkeiten untereinander. So kann es schnell passieren, dass moderne Programme auf älteren Betriebssystemen nicht mehr funktionieren oder die Leistungsfähigkeit von Computern deutlich übersteigen. Was im Privatbereich für Unannehmlichkeiten sorgt, kann vor allem im Geschäftsbereich für große Probleme sorgen. Gerade wenn Schnittstellen oder notwendige Programme auf einmal nicht mehr funktionieren oder nur noch sehr langsam funktionieren, drohen schnell Umsatzeinbußen und Ärger.  Dann gilt es schnell zu reagieren, was bei komplexen Programmen, wie zum Beispiel ERP-Systemen, jedoch nicht leicht ist.

Alte Systeme sind die durchgedrückte Bremse des E-Commerce

Da gerade für Onlinehändler der wirtschaftliche Erfolg unabdingbar mit einer funktionierenden IT-Infrastruktur verbunden ist, sollten sie also notwendige und regelmäßige Updates und Upgrades von Anfang an einplanen. Nichts ist ärgerlicher als von einem Tag auf den anderen einen lukrativen Marktplatz nicht mehr bespielen zu können, nur weil eine Schnittstelle den Geist aufgegeben hat. Dennoch empfinden viele Händler diese Abhängigkeit oft als Last und unerwünschte Belastung, welche den Geschäftsbetrieb mehr stört als unterstützt. Dadurch werden eigentlich wichtige Erneuerungen auf die lange Bank geschoben. Doch gerade dieses Verhalten belastet nicht selten den Geschäftserfolg mehr als ein rechtzeitiges Update.

So bremsen veraltete Systeme die alltägliche Arbeit deutlich aus. Ob Mitarbeiter am Versandarbeitsplatz auf den Druck eines Belegs fünf oder 30 Sekunden warten müssen, wirkt auf den ersten Blick nicht bedeutend. Am Ende eines Arbeitstages entscheidet aber allein diese Kleinigkeit ob 100 Pakete mehr oder weniger das Lager verlassen können. Und genauso verhält es sich auch mit allen anderen Unternehmensbereichen, vom Support bis zur Geschäftsleitung. Zudem erzeugen langsame und unzuverlässige Systeme und Technologien Frust und Stress bei allen Beteiligten.

Natürlich obliegt es jedem Software-Nutzer selbst, wann und wie er Updates und Upgrades durchführt. Die Faustregel für die Lebensdauer einer Software liegt derzeit bei ungefähr drei Jahren. So unterstützt Google die eigenen Android-Betriebssysteme für Mobilgeräte genau für diese Zeit. Und auch Microsoft kündigt regelmäßig das End-of-Life für bestimmte Windows-Versionen an. Ab diesem Zeitpunkt erhalten Nutzer unter anderem auch keine wichtigen Sicherheitsupdates mehr – was den Einsatz des Betriebssystems nur noch auf eigenes Risiko ermöglicht. Für ERP-Systeme bedeutet das Ende des Lebenszyklus im Speziellen, dass keine neuen Schnittstellen und Programme mehr entwickelt werden und bestehende Software jederzeit aufhören kann zu funktionieren.

Gordon Moore, Schöpfer der moorischen Regel, geht sogar von deutlich kürzeren Produktlebenszyklen für Hard- und Software aus. In einem kürzlichen interview legte er sich auf 24 Monate, also zwei Jahre fest. Er war von 1979 bis 1987 CEO des Chip-Herstellers Intel und ist noch heute der zweitgrößte Anteilseigner des Konzerns. Sein Gesetz ist bis heute ein Grundpfeiler und ein Anlass für immer neue Diskussionen in der Informationstechnologie.