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PSD2 und SCA: was bedeuten Sie für den Onlinehandel?

Neue Regelungen für online Bezahlungen

Unser Bankenwesen verändert sich. Durch die Payment Service Directive II, kurz PSD2, müssen sich Kreditinstitute gegenüber Drittanbietern weiter öffnen. So erhalten Paymentprovider das Recht, Bazhlvorgänge direkt auszulösen und damit die Banken zu umgehen. Gleichzeitig geht mit der Neuregelung auch eine deutlich stärkere Authentifizierungspflicht einher. Damit sollen die Verbraucher im digitalen Raum effektiver als bisher vor Betrügern geschützt werden. Zudem wird das sogenannte Surcharging verboten, also dem Erheben eines Entgeltes bei der Bearbeitung von Zahlungen via Überweisungen, Lastschrift oder Kredit- und EC-Karten.

Damit entsteht auch für Onlinehändler ein gewichtiges Thema im Fahrwasser der PSD2. Eine Studie des Händlerbundes zeigt jedoch, dass bisher nur 40 Prozent aller betroffenen Unternehmen die neuen Regelungen umgesetzt haben. Seit einigen Monaten können Unternehmen, die die PSD2 nicht einhalten, sogar abgemahnt werden. Im Kern geht es dabei um die Bezahlmöglichkeiten im eigenen Shop. Dort dürfen Händler und Betreiber künftig keine zusätzlichen Gebühren auf Zahlungsoptionen erheben, wie es derzeit noch immer üblich ist. Grob gesagt, müssen Händler die von ihnen angebotenen Payment-Provider exakt gleich behandeln. Ein Aufschlag auf die Bezahlung zum Beispiel via PayPal oder per Onlinebanking ist verboten.

Der größte Aufreger für den Onlinehandel ist jedoch die SCA, die Strong User Authentication, welche ab dem 14. September 2019 in Kraft tritt. Sie schreibt eine Zwei-Wege-Authentifizierung bei jedem Zahlvorgang vor. So müssen Kunden bei jedem Kauf einen Pin oder ein Passwort, ein registriertes Zweitgerät (Smartphone etc.) oder spezielle Karten nutzen. Alternativ könnte auch das Scannen von Fingerabdrücken oder das Identifizieren von Gesichtsmerkmalen genutzt werden. Die simple Eingabe einer Kreditkartennummer mit passender Prüfziffer ist dann Vergangenheit. Zu erwähnen ist jedoch, dass diese neue Methode nur für Zahlungswege angewandt werden wird, welche bisher als eher unsicher gelten. Dazu gehört zum Beispiel das ELV (Elektronisches Lastschriftverfahren), die Bezahlung per Rechnung oder per Vorkasse. Auch sind Zahlungen unter 30 Euro ausgenommen.

Die gute Nachricht ist, dass die SCA von den Zahlungsdienstleistern umgesetzt werden muss. Sobald dies passiert ist, entsteht keine oder nur sehr geringe Mühe diese neuen Systeme an bestehende Shops anzubinden. Zudem gehen E-Commerce Experten davon aus, dass sich Kunden wohl schnell an die neue Authentifizierung gewöhnen dürften. Dennoch ist es möglich, dass zumindest zu Beginn Einkaufswagen ohne abgeschlossene Bezahlung in den Systemen landen könnten. Für Händler ist das zwar ärgerlich, aber kein Beinbruch. Zudem könnte der Onlinehandel sogar profitieren, da durch die doppelte Bestätigung von Zahlungen die Anzahl vermeintlich „falscher Bestellungen“ zurückgehen dürfte.

Zudem können Händler auf die aktuellen Erfahrungen mit neuen Vorgaben aus Brüssel zurückgreifen. So sorgte auch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zuerst für viele Kopfschmerzen und Sorgen, am Ende stellten sich viele Berichte und Informationen jedoch als übertrieben heraus. Unterschätzen sollte man die PSD2 und die SCA deswegen jedoch nicht. Im Zweifelsfall hilft jedoch schon eine umfangreiche Beratung Ihres Payment-Providers oder Lösungsanbieter um Ängste und Sorgen zu zerstreuen.