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Hat Amazon seine Umsatzzahlen versehentlich verraten?

Was bedeutet der Amazon-Leak für Händler?

Hat Amazon oder hat Amazon nicht verraten, wie viel Umsatz der deutsche Marktplatz im Jahr macht? Kaum eine Frage hat die Fachpresse in den vergangenen Tagen so beschäftigt. Immerhin sind solche Kennzahlen des Giganten ein gut gehütetes Geheimnis. Hintergrund des Aufruhrs ist eine E-Mail von Amazon, die zuletzt mehrere deutsche Händler erreichte und dafür warb, auch auf dem US-Marktplatz des Handelsriesen zu verkaufen. Soweit so unspektakulär. Hellhörig wurden jedoch Experten und selbsternannte Experten bei einem Bulletpoint, der „7-mal so viel Umsatz“ des amerikanischen Marktplatzes gegenüber seinem deutschen Zwilling versprach. Und die US-Zahlen sind mit etwas Rechercheaufwand bereits bekannt.

So gab Amazon-Chef Jeff Bezos erst in einer Mitteilung an Aktionäre bekannt, dass der Konzern weltweit 160 Milliarden Dollar erwirtschaftet hat. In der Mail von Amazon wurde zudem erklärt, dass 50 Prozent des Umsatzes auf Amazon.com erwirtschaftet werde. Von da an ist es eine einfache Milchmädchenrechnung. Am Ende bleiben 11,42 Milliarden US Dollar übrig. Umgerechnet in Euro sind das gut 8,5 Milliarden. Damit wäre nachweisbar der deutsche Marktplatz von Amazon der größte Umschlagsplatz im Onlinehandel der gesamten Bundesrepublik.

Inzwischen hat der Handelskonzern jedoch die Zahlen dementiert und spricht in einem öffentlichen Statement von einem „menschlichem Fehler“. Mehreren Publikationen, darunter der T3N, liegt die Stellungnahme von Amazon vor. Darin heißt es: „Diese Zahlen sind in keiner Weise korrekt. Die Person, die diese Informationen zusammengestellt hat, hat Zahlen benutzt, die nichts mit den Verkäufen von Drittanbietern bei Amazon zu tun haben. Dies ist allein auf einen menschlichen Fehler zurückzuführen und es wäre falsch, anzunehmen, dass diese Zahlen etwas über das Geschäft von Amazon in Deutschland oder auf der ganzen Welt aussagen.“

Ob die Zahlen von Amazon nun korrekt oder falsch sind, ist schwer zu beurteilen. Es gibt jedoch durchaus Zweifel daran, ob die Schätzungen wirklich so weit von der Realität abweichen. Für Händler bleibt jedoch die Gewissheit, dass Amazon als Marktplatz den deutschen Onlinehandel nicht nur gefühlt, sondern nachweislich dominiert. Das ist jedoch nicht nur eine positive Botschaft, da vor allem kleinere Händler in großer Abhängigkeit von Amazon existieren. Ausbleibende Zahlungen durch gesperrte Konten können schnell existenzbedrohend sein. Zudem hat Amazon noch immer Probleme mit Produktfälschern, die die Situation auf dem Marktplatz zusätzlich verschärfen.

Gleichzeitig zeigt dieser Leak jedoch auch, dass Amazon als zentraler Baustein einer Multi-Channel-Strategie nicht fehlen darf. Dafür ist der Marktplatz zu relevant, zu groß und zu mächtig um ignoriert zu werden. Händler stehen also vor der Herausforderung einen Balanceakt zu meistern, um eigene Webshops und andere Angebote mit dem Megakonzern auszutarieren. Dabei helfen kann eine professionale Beratung und langjährige Erfahrung. Jedoch braucht es auch immer Talent und Fingerspitzengefühl, um die richtige Mischung zu finden. Denn das zeigen die Zahlen von Amazon, egal ob richtig oder falsch: Ohne den Konzern geht im deutschen E-Commerce nur sehr wenig.