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4SELLERS unterstützt die neuste Initiative des bevh

Spenden statt Entsorgen! Die Verantwortung des Onlinehandels.

Der E-Commerce gerät zunehmend in den Blick einer kritischen Öffentlichkeit, die in jüngster Vergangenheit verstärkt nach seiner ökologischen Verträglichkeit fragt. Unter dieser Prämisse ist auch die noch immer aktuelle Diskussion um „Retourenvernichtung“  zu lesen. Im Kontext einer breiten, gesellschaftlichen Debatte über den Umgang mit Ressourcen, Verpackungen und komplexer werdender Logistik muss eine hohe Zahl entsorgter und zum Teil noch verkehrsfähiger Produkte zwangsläufig empören. Wo wirtschaftlicher Erfolg wächst, wächst auch der Anteil am Gemeinwohl. Dies führt auch zu Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. 

E-Commerce ist ein Erfolgskonzept. 

Seit Jahren wächst der E-Commerce p.a. um etwa 10 Prozent. Dies ist mehr als erfreulich, nicht nur für die Handelsunternehmen selbst, sondern auch für jene Dienstleister, welche die Infrastruktur für den Online-Handel zur Verfügung stellen. Der Online-Handel stößt damit - wie wenige andere - Innovation im deutschen und europäischen Binnenmarkt an und befördert z.T. gänzlich neue Geschäftsmodelle (bspw. aaS-Unternehmen). Stark steigende Umsätze bedeuten (bei nur moderat steigenden Preisen) zwangsläufig einen höheren Stückabsatz. Die Zahl der Artikel pro versendetem Paket sinkt jedoch kontinuierlich, wie auch der Warenkorbwert. Im Umkehrschluss steigt der Verpackungsaufwand an. Auf den Punkt gebracht: Bei anhaltendem Wachstum wird das Paketaufkommen in 2019 auf etwa 3,75 Mrd. allein in Deutschland klettern (Quelle).  

Erfolg bedeutet Verantwortung. 

Damit ist leider auch verbunden, dass wir einen Anteil am wachsenden Verpackungsaufkommen haben, das jedes Jahr neue Rekordhöhen erreicht (Quelle). Es bedarf zweifelsohne gesetzgeberischer Maßnahmen, die das Problem adressieren, ohne das Wachstum der Branche und den Mehrwert der Kunden und Kundinnen zu beschneiden. Solche Maßnahmen - wie die Verpackungsverordnung – können ein Ärgernis sein, führen aber auch dazu, dass Nachteile ausgeglichen werden, die einheimische Händler häufig gegenüber jenen Unternehmen haben, die Waren aus EU-Drittstaaten verschicken. Vor allem sollen sie aber einen ökologischen Effekt erzielen. 

Besser als Maßnahmen, die der Gesetzgeber anstößt, sind Initiativen, die aus der Wirtschaft selbst kommen. Das hohe Aufkommen an Retouren ist nicht nur ein kaufmännisches Problem und in einigen Segmenten (wie Textil) ein großer Kostentreiber. Die Universität Bamberg schätzt in ihrer Retourenstudie („Retourentacho“) die volkswirtschaftlichen Kosten für Rücksendungen im E-Commerce auf sagenhafte 5,46 Mrd. € pro Jahr. Darin sind nicht nur die Versandkosten (knapp 80 Prozent) enthalten, sondern auch Wertverluste und höhere Preise für Kunden und Kundinnen, auf die Retourenkosten mittelbar umgelegt werden. In Zahlen: 2018 wurden in Deutschland 487 Mio. Artikel retourniert.  

Was mit diesen Retouren jedoch passiert, zeigt die Studie aus Bamberg auch: 

 

Quelle: Tagesschau und Universität Bamberg 
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/retouren-umweltministerium-101~magnifier_pos-0.html

 

Wegschmeißen wird subventioniert? 

Die Studie behauptet, dass die CO2 Kosten für Retouren mit 238000 t überschaubar seien. Dieser Interpretation widersprechen verschiedene Quellen (vgl. ZEIT ONLINE), weshalb dies an dieser Stelle unbewertet bleiben muss. Was wir jedoch einschätzen können: 1. Knapp 80 Prozent der Retouren gehen als A-Ware zurück in den Handel. 2. ist die Zahl der Artikel, die aus verschiedenen Gründen nach der Retournierung „verschrottet“ werden, mit knapp 19 Mio. Artikel trotzdem beachtlich und ein Negativrekord. Die Dunkelziffer dürfte zudem noch höher liegen, da sich ein Großteil der Logistikprozesse im E-Commerce nicht mehr national abbilden lässt. Vermutlich ließe sich der ermittelte Wert auch noch weiter um solche Waren aus den verschiedenen Niedrigpreissegmenten erhöhen, die (beispielsweise durch Defekt) potenziell zwar zurückgeschickt werden könnten, bei denen sich ein Neuversand der Ware aber als günstiger erweist. Dass nutzbare Waren ungenutzt entsorgt werden ist ein ökologisches Problem mit steuerrechtlichem Vorschub. 

Besonders Amazon geriet nach einer Recherche von Frontal21 im Juni 2019 politisch und gesellschaftlich unter Druck. Der Vorwurf traf letztlich aber die gesamte Branche und bezog sich darauf, dass auch solche Waren, wie Textilien, Spielzeug, Elektronik oder Haushaltsgegenstände entsorgt wurden, die problemlos wiederverkauft oder aber gespendet werden können. Ein Problem liegt jedoch darin, dass Spenden (mit wenigen Ausnahmen) im deutschen Umsatzsteuergesetz mit 19% versteuert werden; eine Regelung, die besonders mittelständische Unternehmen trifft. Sie ist ihrer Intention nach auch sinnvoll, da sie unlautere Steuervermeidung verhindern hilft. Allerdings führt sie auch zu der grotesken Situation, dass es für Unternehmen schlichtweg günstiger ist, Waren zu entsorgen, als sie zu spenden. 

Spenden statt entsorgen: Eigeninitiative ermöglichen! 

An dieser Stelle muss die Branche Eigeninitiative zeigen und vom Gesetzgeber mehr Freiheiten einfordern. Ein Beispiel: 

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) hat vor Kurzem eine Kampagne ins Leben gerufen: SPENDEN STATT ENTSORGEN. Diese fordert die Steuerfreiheit für Sachspenden von Unternehmen. Denn grundsätzlich ist das soziale Engagement besonders des Mittelstands vorbildhaft. Zwei von drei deutschen Unternehmen engagieren sich für gesellschaftliche und soziale Belange. 2018 spendeten deutsche Unternehmen 10 Mrd. Euro (QUELLE). Diese Leistung wird durch steuerliche Vergünstigungen belegbar gestärkt. Diese Steuereinnahmen fehlen natürlich der Allgemeinheit,  wodurch Unternehmensspenden als eine gesamtgesellschaftliche Leistung betrachtet werden müssen. Steuerfreie Sachspenden – politisch richtig gelenkt und reguliert – unterstützen das breite soziale Engagement, dass sich Unternehmer und Unternehmerinnen eine Menge kosten lassen. 

Verantwortung wahrnehmen.    

Der E-Commerce ist ein Erfolgskonzept und ein Treiber der Binnenwirtschaft in Deutschland und Europa. Er wird weiterwachsen und sich entwickeln.  Doch wie viele anderen Wirtschaftszweige muss sich auch er seiner Verantwortung bewusst sein. Ressourcenschonendes Wirtschaften wird an Bedeutung gewinnen und mit zunehmender Regulierung (#greendeal, #CO2Steuer) auch betriebswirtschaftlich an Relevanz zunehmen. Es ist daher erfrischend, dass Initiativen wie SPENDEN STATT ENTSORGEN des bevh effektive Synergien suchen und Schritte in die richtige Richtung gehen. Dies ist aber lang nicht genug. Wir müssen Lösungen für Sorgenkinder wie die „letzte Meile“, energieintensive Rechenzentren und eben das nationale und globale Verpackungsaufkommen finden.  
Am besten ist es aber, wenn Vorschläge frühzeitig aus unserer Branche selbst kommen. Auf diesem Wege können wir die nötigen Weichen selbst stellen, bevor es andere für uns tun.

Veröffentlicht am: 17.12.2019
Von Michael Nitsche